Entstehung der Gießener Kulturloge

Im Dezember 2010 berichteten die Gießener Tageszeitungen über die erste in Deutschland gegründete Kulturloge in Marburg. In Gießen stieß diese Nachricht auf großes Interesse, und nach einigen orientierenden Gesprächen lud Heinz Bauer, der frühere Präsident der Uni Gießen, Mitte Januar in einer Pressekonferenz zur Gründung eines Vereins am 3. Februar 2011 ein. Rund 40 Interessenten folgten der Einladung und gründeten in dieser ersten Sitzung den Verein „Kulturloge Gießen“. Sie verabschiedeten eine vom Initiator vorbereitete Vereinssatzung, wählten einen Vorstand und setzten den Mitgliedsbeitrag fest. In der darauffolgenden Woche bereits erklärte die Oberbürgermeisterin der Stadt Gießen, Frau Dietlind Grabe-Bolz, ihre Bereitschaft, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Der Verein erhielt am 20. 4. vom Finanzamt die Bescheinigung seiner Gemeinnützigkeit und ist am 2. Mai 2011 in das Vereinsregister eingetragen worden. Mit Hilfe der „Marketing Profiler“ konnten sehr schnell Flyer für die Anmeldung von Gästen gedruckt werden, die über 20 soziale Institutionen an potentielle Gäste verteilt wurden, und so verfügte der Verein zu Anfang August bereits über 160 Anmeldungen, die rund 300 Erwachsen und 85 Kinder umfassten. In den ersten drei aktiven Monaten konnten rund 300 Freikarten an Gäste vermittelt werden.

Wir freuen uns, wenn Sie Mitglied werden.

Stand der Kulturloge im Juli 2014

Die Kulturloge ist in den dreieinhalb Jahren seit ihrer Gründung kontinuierlich gewachssen. Die Vereinsgröße bleibt mit weniger als 50 Mitgliedern zwar überschaubar, aber es gibt wohl kaum noch eine Soziale Institution im Raum Gießen, die sich nicht an der Vermittlung von Gästen an die Kulturloge beteiligte.
Freikarten haben wir inzwischen bei mehr als 70 Veranstaltern eingeworben, sodass wir seit zwei Jahren monatlich bis zu 300 Karten vergeben können.
Logistisch ermöglicht wird dies dadurch, dass die Stadt Gießen uns in der Villa Leutert seit Sommer 2011 ein Büro mit Ausstattung überlassen hat und dass uns in Frau Marianne Konrad im Rahmen des Bundesprojekts „Bürgerarbeitskraft“ eine tatkräftige und engagierte Mitarbeiterin zur Verfügung steht, die vor allem mit der sehr aufwendigen Kartenvergabe befasst ist.
Die Zahl unserer Gäste aus Stadt und Landkreis Gießen ist inzwischen auf 1200 angewachsen, darunter etwa 300 Kinder und Jugendliche.
Leider wird der Vertrag mit Frau Konrad unwiderruflich zum Ende Oktober des Jahres auslaufen. Damit stellt sich die existentielle Frage, ob es dem Verein gelingen wird, die erforderlicher finanziellen Mittel für die weitere Beschäftigung einer solchen Kraft einzuwerben, da die Kartenvergabe anders nicht zu bewältigen ist.
Welche Bedeutung die Arbeit der Kulturloge für die Gäste hat, mag aus den exemplarischen Äußerungen einiger Gäste erkennbar sein, die im Folgenden wiedergegeben werden.

Gastkommentare

„Was soll ich sagen? Ich bin begeistert! Zunächst las ich im „Express“, dass es in Marburg eine Kulturloge gibt und erfuhr dann, dass es in Gießen jetzt auch eine gibt und meldete mich als Gast. Als alleinerziehende Mutter mit vier Kindern und geringem Einkommen ist es ja heutzutage nicht so einfach, Veranstaltungen, die Eintritt kosten, zu besuchen. Durch die Kulturloge konnte ich Theater, Musical und Konzerte besuchen. Man lernt andere Musik, andere Orte, eine andere Atmosphäre und andere Leute kennen. Die Abende sind ein Lichtblick für mich und ich zehre davon wie von einem Urlaub. Auch mein Selbstverständnis als Frau wird durch diese Angebote bestärkt. Ich fühle mich verstanden und akzeptiert. Man kommt nicht als Bettler, sondern als Gast. Meine drei Jungs (junge Erwachsene) bekamen Karten für ein Rockkonzert und sie waren auch ganz begeistert, dass sie da mit ihren Freunden hingehen konnten. Schwierigkeiten gibt es eigentlich nur, wenn ich ein Kartenangebot sehr kurzfristig bekomme. Da ich außerhalb von Gießen wohne und kein Auto besitze, sind die Fahrmöglichkeiten eingeschränkt. Naja, und einmal konnte ich eine Veranstaltung aus persönlichen Gründen nicht besuchen und auch nicht rechtzeitig absagen. Da gab es dann schon mal einem „mahnenden“ Anruf von der Kulturloge – ich habe das dann geklärt, und damit war es gut.“


„Ich konnte schon etliche Male Veranstaltungen im Stadttheater besuchen – z.B. ‚Kinder der Sonne’ - , Konzerte in der Johanneskirche und in der Petruskirche hören. Es hat mir sehr gut gefallen. Ich bin Rollstuhlfahrerin und mit einer Bekannten zusammen, die dann auch eine Karte durch die Kulturloge bekommt, klappt es ganz wunderbar den Veranstaltungsort zu erreichen. Den Service für Rollstuhlfahrende beim Stadttheater möchte ich besonders lobend erwähnen. Die Kulturloge betreut mich ganz wunderbar.“


„Ich kann sagen, es hat alles gut geklappt. Ich habe Veranstaltungen im Stadttheater, im Rathaus und auch in Lollar besuchen können. Für die Veranstaltung in Lollar gab es sogar zwei Karten, damit eine Bekannte mit mir dort hinfahren konnte. Man muss sich natürlich darauf einstellen, dass die Karten 30 min vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse abgeholt werden müssen – da ist dann die Wartezeit zu überbrücken – in den Wintermonaten war das nicht so angenehm. Für Menschen mit kleinem Budget ist es nicht immer möglich eben mal in ein Café zu gehen. Ein besonderes Erlebnis war mein erster Opernbesuch – ‚Agrippina’ – unglaublich gut! Zumal es auch Szenen zum Lachen gab. Zum ersten Mal erlebte ich dabei, wie die Textübersetzung ins Deutsche per Untertitelanzeige funktioniert. Sehr interessant. Von der Kulturloge habe ich durch einen Zeitungsartikel und durch einen Flyer erfahren und ich bin sehr dankbar, dass es so was gibt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich angerufen werde und ein Kartenangebot kommt.“


„Durch die Kulturloge konnte ich Theater, Konzerte und mit den Kindern zusammen auch Kino und Kindertheater besuchen. Mein Sohn geht sehr gerne zu den Veranstaltungen von MuSehum zum Malen. Er fühlt sich dort wohl und zeichnet am liebsten Comics. Eine gute Freundin von mir hatte mir einen Flyer von der Kulturloge mitgebracht – so erfuhr ich davon. Es war ganz unkompliziert sich als Gast anzumelden und Karten zu bekommen. Auch wenn ich mal eine Veranstaltung nicht besuchen kann, funktioniert das gut. Ich rufe dann rechtzeitig an, damit die Karten noch an andere Gäste vermittelt werden können.“


„Ich habe gute Erfahrungen mit der Kulturloge gemacht. Es ist sehr unkompliziert – ich hatte die Themen angekreuzt, die mich reizen und wurde dementsprechend für Veranstaltungen angerufen. Die Karten sind reserviert und an der Abendkasse sagt man nur seinen Namen – noch nicht einmal Kulturloge – und bekommt dann die Freikarte.“


„Mit meinem Mann zusammen habe ich schon viele Veranstaltungen durch die Kulturloge besucht: Theater, Oper, klassische Konzerte, Musical. An Tanztheater will ich mich jetzt heranwagen. Es macht uns Spaß, und wir nutzen jede Gelegenheit, die uns geboten wird. Außerdem organisiere ich eine Gruppe von 5 oder 6 Frauen, die gemeinsam zu Konzerten gehen. Da nicht alle Frauen fließend deutschsprachig sind, bevorzugen wir erst einmal die Musik, die uns zusammenbringt. Diese Veranstaltungsbesuche bedeuten für uns auch neue Bekannte, neue Freunde zu finden und eben Neues kennenzulernen.“


DANKE !!! Ich bedanke mich bei allen Gästen, die mir diese kleinen Interviews gaben.Es sind sehr schöne und ehrliche , persönliche Gespräche gewesen, direkt, herzlich und anregend Maxi Puhlmann, Mitgliede des Vereins Kulturloge Gießen


Stand der Kulturloge im Februar 2017

Die Kulturloge Gießen war am 2. Februar 6 Jahre alt. Sie hat sich in den letzten 3 Jahren bei Veranstaltern und Sozialen Institutionen noch stärker etabliert.

Wir vermitteln weiterhin Kultur Teilhabe an rund 1.300 Menschen, unsere Gäste, die uns weiterhin und in dankenswerter Weise von den Sozialen Institutionen, inzwischen 46 an der Zahl, vermittelt werden.
Die Freikarten erhielten wir von inzwischen 86 Veranstaltern in- und außerhalb Gießens. Die Acquisition hat sich sehr angenehm entwickelt hat und ist weniger aufwendig geworden ist. Von unseren wichtigsten Veranstaltern erhalten wir nämlich inzwischen die Karten ungefragt, so vor allem vom Gießener Stadttheater, unserem wichtigsten Partner, aber auch vom tinko-Theater, den Kirchen, vor allem der Bonifatius-Kirche, dem Kino in der Bahnhofstraße, den Meisterkonzerten, dem Museum, der Jazz-Initiative, o-tone music, Uni-Orchester, Literatur-Zentrum, das Main-Barock-Orchester u.u.u.. Auch lokale Veranstalter mit Einzelveranstaltungen melden sich von sich aus, sei es Papalala aus Treis, die Rockkonzert-Veranstalter auf der Burg Gleiberg oder die aus Pohlheim. Eine rundum erfreuliche Entwicklung. Kürzlich kam sogar eine Offerte aus Berlin. Im Sommer 2015 erlebten wir einen überraschenden Höhepunkt, als uns nämlich der Veranstalter des Gießener Kultursommers, Herr Bahl, 400 Karten zu einem Gesamtwert von mindestens 5.000 € zur Verfügung stellte.
Normalerweise vergeben wir pro Jahr rund 3000 Karten zu einem Gesamtwert von etwa € 50.000. Das ist bei Verwaltungs- (Personal)kosten von € 10.000 pro Jahr eine beachtliche „Rendite“. Dank der großzügigen Spenden vor allem von der modus vivendi Stiftung und der Alfred und Margarethe Schulz Stiftung vor 2 Jahren ist die Finanzierung unserer Bürokraft noch bis Juli dieses Jahres gesichert. Es bleibt zu hoffen, dass das derzeitige „Fund raising“ ähnlich erfolgreich bleibt wie vor 3 Jahren, damit die Kulturloge weiterhin wirken kann.